Manufaktur abraxas - Schmiede Tunzenberg

Damaszenerstahl
(vgl. Soester Beiträge zur Geschichte von Naturwissenschaft und Technik, Heft 8, hrsgb. von Wilhelm Becker, Soest 2000 ; Mit Beiträgen von Michael Pohl, Norbert Lindner, S. 25-27, Adalbert Goetz, S.49)

Der Name Damaszener-Stahl wurde durch kunstvoll geschmiedete orientalische Säbel des 18. Jahrhunderts geprägt. Damals war die Stadt Damaskus Hauptumschlagplatz für Waffen.Heute sind im Wesentlichen zwei unterschiedliche Damast-Arten bekannt:

Schweißdamast: Ein durch Feuerschweißen mehrerer Stahlsorten erzeugter Verbundstahl.

Wootsdamast: Ein durch ein langwieriges Schmelzverfahren erzeugter Damast mit Seigerungsstrukturen.

Kennzeichnend für Damaszener-Stahl ist, dass er ein Verbundstahl ist, der aus unterschiedlichen Stahlsorten besteht. Die Entstehung des Damaszener-Stahles wird heute auf ca. 500 v. Chr. datiert und ist wohl mit der Suche nach geeigneten Materialien für Schwerter zu verbinden. Ein Schwert aus Eisen war dem aus Bronze zwar überlegen, es war jedoch zu weich und konnte sich sehr leicht verbiegen. War es aus hartem Stahl gefertigt, bestand die Gefahr des Brechens beim harten Waffengang, und so kamen die Schmiede dieser Epoche schließlich auf die Idee, harte (kohlenstoffreiche) und weiche (kohlenstoffarme) Stähle miteinander zu verschmieden. Die so hergestellten Schwerter brachen nicht, waren lange scharf und konnten aufgrund der Stützwirkung der härteren Komponenten auch nicht so leicht verbogen werden.Um den Werkstoff weiter zu homogenisieren, entwickelte man Techniken, bei denen viele verschiedene Lagen harten und weichen Stahls miteinander verschmiedet wurden. Das so entstandene Stahlpaket wurde immer wieder gefaltet, so dass Stücke mit vielen hundert bis mehreren tausend Lagen entstanden (Schichtdamast). In einer weiterführenden Technik tordierte man damaszierte Stahlstäbe und verschmiedete diese miteinander (Torsionsdamast).
Parallel zu den Verbesserungen der mechanischen Eigenschaften wurde die typische Oberflächenmusterung, das sog. Damastmuster, das ja eigentlich nur ein Nebeneffekt ist und sich erst nach dem Anätzen zeigt, weiterentwickelt. Die Ursache dieses dekorativen Effektes sind nicht allein die C-Unterschiede der Stahlsorten, da der Kohlenstoffgehalt aufgrund von Diffusion während der Schmiedehitze ausgeglichen wird. Vielmehr sind andere Elemente, wie z.B. Mangan oder Nickel für den Ätzkontrast verantwortlich. Die Herstellung von Damaszener-Stahl erreichte im 8. – 10. Jh. v. Chr. einen Höhepunkt und geriet dann in Europa in Vergessenheit. Erst im 18. Jahrhundert kamen mit dem Türkeneinfall auch wieder prunkvolle Damastklingen, und man bemühte sich, die Kunst des Damaszierens wieder zu erlernen, so dass letztendlich auch andere wertvolle Gegenstände wie Pistolen- und Gewehrläufe aus Damast gefertigt wurden. Mit der Entwicklung der Industrie und deren Möglichkeit, gezielt Stahlqualitäten einzustellen, geriet das Schmieden von Damaszener-Stahl wieder in den Hintergrund und wurde erst in den letzten Jahrzehnten wieder aufgenommen. 




Ich schmiede gelegentlich Damastrohlinge in unterschiedlichen Querschnitten, Formen und Qualitäten, und bisweilen erziele ich dabei recht passable Ergebnisse. Interessant für Hobbymessermacher: kleine Reststücke dieser "Damastversuche" sind fast immer vorhanden, einfach anfragen.

zwei tordierte Stäbe...